Einmal in der Wiener Staatsoper singen – ein Traum, den wohl so mancher Sänger hegt. Für die wenigsten geht er tatsächlich in Erfüllung. Die Mitglieder der Jungen Kantorei St. Maria dagegen konnten diesen Traum bereits in einem sehr frühen Stadium ihrer Karriere realisieren. Die 10- bis 17jährigen Sängerinnen und Sänger durften anlässlich ihrer Chorfreizeit im letzten Herbst tatsächlich in der Wiener Staatsoper singen.

Nun muss man natürlich der Wahrheit die Ehre geben und erwähnen, dass die jungen Leute dabei nicht auf der Bühne standen, sondern sich im Zuschauerraum aufhielten, hatten sie doch gerade eine Führung durch das ehrwürdige Gebäude erlebt. Als krönender Abschluss kam da die Einladung der Führerin, noch ein Ständchen zum Besten zu geben, gerade recht. „Echt cool!“, war das einhellige Fazit von Anna und Mathilda nach dem spontanen Applaus der etwas verdutzten Bühnenarbeiter, die während der Gesangseinlage eine kurze Pause einlegten, um anschließend die Aufbauten für die abendliche Ballett-Vorstellung von „Manon“ fortzusetzen.

Vier Tage lang hatten die Jugendlichen, begleitet von Chorleiter Siegmar Junker, der Vorsitzenden des Elternkuratoriums Beate Vollmer sowie Eltern und Gästen, die Möglichkeit, Wien kennen zu lernen. „In den vergangenen Jahren waren wir häufig bei den Chorfahrten dabei, die vom Dachverband der Kinder- und Jugendchöre Pueri Cantores organisiert wurden“, erzählt Siegmar Junker. „So waren wir in den vergangenen Jahren bereits in Rom, Stockholm und Granada – immer wieder faszinierende Erlebnisse für die Jugendlichen. In diesem Jahr haben wir die Organisation der Chorfahrt selbst in die Hand genommen und uns für Wien entschieden.“ Viel Arbeit für den Vorstand, der sich um alles Organisatorische rund um die Tour kümmerte. Doch – so die einhellige Meinung – der Aufwand hat sich gelohnt. Intensive, erlebnisreiche Tage haben die Chormitglieder zusammen geschweißt, viele schöne Erinnerungen bleiben.

Doch damit nicht genug: Die nächste Tour steht bereits an. Im Sommer ruft das Internationale Chortreffen von Pueri Cantores in Paris. Singen, wo andere nur in der Touristenmenge vorbeigeschoben werden – das hat einen ganz eigenen Reiz für die jungen Sänger, die sich bereits heute auf ihre Auftritte in Sacre Coeur und Notre Dame freuen. „Das werden ganz bestimmt tolle Tage! Wir freuen uns auf unseren Besuch in der französischen Hauptstadt. Vor allem müssen wir diesmal nicht so lange mit dem Bus fahren, Paris liegt ja praktisch vor der Haustür“, fiebert Beate Vollmer der kommenden Chorfreizeit schon entgegen. Einen kleinen Schatten werfen bei aller Vorfreude die mageren Finanzen. Um die Beiträge für die Mitglieder möglichst gering zu halten, werden die Chorfahrten kräftig bezuschusst. Doch aktuell herrscht eher Flaute in der Kasse.

Da bietet das anstehende Nachtreffen zur Wienfahrt vielleicht den geeigneten Rahmen, um Ideen zum Geldverdienen zu entwickeln. „Aber vor allem wollen wir uns gemeinsam erinnern an die schönen Erlebnisse in Wien, Bilder ansehen und vielleicht das ein oder andere Wiener Schmankerl genießen“, berichtet Beate Kraus, die zweite Vorsitzende des Elternkuratoriums.